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CO-LIVING Studentenwohnheime und Micro-Apartments treffen den Nerv der neuen Mietergeneration.

18. Juli 2021 | Finanz und Wirtschaft

Es gibt kaum ein Thema am Immobilienmarkt, das in den vergangenen Jahren so unter die Lupe genommen wurde: der knappe Wohnraum. Da ist zum einen die Pandemie, die das permanente Daheimsein vor neue Herausforderungen gestellt hat, und zum anderen die Knappheit und die Verteuerung von Wohnraum in den Ballungszentren. Städte haben und werden auch zukünftig nichts an ihrer Faszination, vor allem für kreativ Schaffende und die jungen Generationen, verlieren.

Laut Bevölkerungsstatistik der Vereinten Nationen (UNPD) leben heute 55% der Weltbevölkerung in Städten – mehr als jeder Zweite. Zum Vergleich: Vor siebzig Jahren war es gerade mal jeder Dritte.

«Das Zuhause ist der neue Horizont – es ist zum Arbeitsplatz, zur Schule und zu einem Ort geworden, an dem man jetzt vermehrt Hobbys ausprobiert, in den man als Lebensmittelpunkt stärker investiert, an dem man Freunde trifft und wo man in Sicherheit ist», sagt Thomas Täuber von der Unternehmensberatung Accenture, die die 2020er Jahre in einer Studie zum «Jahrzehnt des Zuhauses» erklärt hat.

Urbanes Feeling muss sein

Flexibilität ist jedoch ein weiteres neues Schlagwort geworden, wenn es um modernes Wohnen geht.

Mal schnell in eine entfernte Stadt umziehen ist die neue Realität geworden, wenn der Arbeitgeber oder das Studium es ermöglichen. Am neuen Wohnort will man dann schnell neue Kontakte knüpfen, denn viel Zeit für Eingewöhnung bleibt nicht. Dazu bitte urbanes Feeling in guter Stadtlage.

In wenigen Sätzen kann so der Bereich innovatives Wohnen, auch als Micro Living bekannt, beschrieben werden.

Die Umsetzung manifestiert sich in unterschiedlichen Konzepten, die fast immer einen Fokus auf die Vermarktung via Ausstattung und Services legen. In den Metropolen sind die neuen Wohnformen in der Regel auf Millennials, Berufseinsteiger und Freelancer, die Wanderer zwischen Lebensabschnitten, ausgelegt. Für sie zählt das Gesamterlebnis: Instagram-würdige Einrichtung, schnelles Internet, Goodies wie ein Netflix-Abo. Da kommt es weniger auf die Wohnungsgrösse, sondern auf eine gute Ausstattung sowie zeitgemässe Community Features an.

Die Zugehörigkeit zu einer Community ist das Lebenselixier dieser Wohnform.

In einer immer mehr Sharing-orientierten Gesellschaft muss der Raum für Individualität und Zurückgezogenheit nicht mehr episch gross sein. Vor allem wenn es gleich nebenan Gemeinschaftsräume gibt: Gemeinschaftsküche, Co-Working-Flächen, einen Ort für Veranstaltungen, eine Werkstatt.

Fast immer kann sich der Interessierte auf der Homepage des Anbieters sein Apartment aussuchen und als Bewohner Räume oder Zeiten im Wasch oder im Sportraum per App buchen. Das Forum Gemeinschaftliches Wohnen definiert gruppenorientierte Wohnprojekte als «dauerhafte Zusammenschlüsse von Menschen, die freiwillig und bewusst bestimmte Bereiche ihres Lebens räumlich und zeitlich miteinander teilen».

Die Zugehörigkeit zu einer Community ist dabei das Lebenselixier dieser Wohnform. Gerade in Zeiten der Pandemie und auch darüber hinaus gewinnt dieser Umstand an Bedeutung. Aktuelle Zahlen deuten darauf hin, dass moderne und innovative Wohnformen weiter in das Bewusstsein von Mietern und von Investoren rücken. Trotz Corona lagen die Spitzenrenditen für Studentenwohnheime und Micro- Apartments 2020 stabil bei 3,3%, ermittelt das Maklerhaus CBRE. Laut dem Global Coliving Report 2019 von The Housemonk liegt Europa hinsichtlich der Miete im Mittelfeld. Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Zürich wurde 2020 eine Befragung von Micro-Living-Mietern durchgeführt. Rund 60% der Befragten haben dabei die günstigeren Wohnkosten als einen der wichtigsten Beweggründe für diese Wohnform angegeben. Zudem kommt die Möblierung dem mobilen Leben entgegen und spart Kosten und Zeit.

Passgenaue Angebote

Die Aussichten sind gut: «Langfristig werden die Transaktionsvolumen stetig steigen, da neue Objekte auf den Markt kommen, die eine Vielzahl von Zielgruppen ansprechen», sagt Sebastian Schütte, Director bei CBRE Residential Investment.

«Die steigende Akzeptanz des mobilen Arbeitens wird zukünftig zu einer weiteren Differenzierung der Mikroapartmentkonzepte in Richtung Co-Living und Serviced Apartments mit unterschiedlichen Dienstleistungsangeboten führen. Dabei geht es in Zukunft noch mehr darum, sie passgenau den jeweiligen Zielgruppen zu offerieren», so seine Analyse. Es stellt sich letztlich sogar die Frage, ob diese Wohnformen wirklich so innovativ sind oder wir nicht einfach die neuen Anforderungen der modernen Mieter in Metropolen richtig angehen.

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